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Gebührend verwirrt
oder: Was kostet die Welt?

Früher war die Welt ja noch übersichtlich, unterteilt in drei Zonen: (Nein, das hat jetzt nichts mit dem kalten Krieg zu tun.) Dorf, Inland und Ausland. Im Dorf gab’s Bargeld bei der Hausbank (gebührenfrei). War die Hausbank mal nicht in Sichtweite kostete das Geldabheben mit EC-Karte am Automaten 4.00 DEM (damals geschrieben als “4 DM”) im Inland oder 5.00 DEM im Ausland. Immer. Und jeder wusste das. Die Gebühren für’s Geldabheben mit Kreditkarte, das hieß damals “credit card cash advance”, waren astronomisch. Wusste auch jeder. Ein unhaltbarerer Zustand!

Bargeldlos bezahlen konnte man auch schon, das hat dann im Ausland 1% Prozent (oder so) gekostet, aber weniger als die 5 Mark für den Geldautomaten und viel weniger als die (gefühlte) Gewinnmarge der Wechselstuben, also OK. Man musste nur heraus finden, welche Karte im Gastland das geringste Misstrauen weckt. Kaum ein Europäer konnte den vielen Symbolen (edc, EC, EUFISERV, Plus) auf den eurocheque-/Bank-/Debit-Karten irgendeine eine Bedeutung zuschreiben, so dass die beiden großen Kreditkarten einen strategischen Vorteil hatten, trotz Technik aus der Steinzeit/USA.

Zum Glück hat sich das geändert: Bargeldabhebungen mit dem Stück Plastik, das inzwischen Maestro-Karte heißt, kosten jetzt in Inland, EU und Ausland für deutsche Kunden meist 4 EUR. Es könnte aber auch mehr sein, so genau weiß das niemand. Manchmal auch gar nichts, dazu braucht man aber viel Glück sowie detaillierte und aktuelle Kenntnisse der Struktur der wichtigsten Konzerne der Branche. So muss das sein, endlich zahlt sich Bildung aus!

Und wieder ziehen die (amerikanischen) Kreditkarten-Netzwerke an unserem hoch entwickelten Bankensystem vorbei. Diverse kleinere Banken versuchen nämlich aus dem deutschen Fremdautomaten-Gebührenkrieg auszubrechen. Mit der EC-Karte scheint das, wegen der vergifteten Stimmung zwischen den Banken, nicht zu gehen; der Umweg per Kreditkarte macht die Gebühren verhandelbar und erlaubt weltweit gebührenfreies Abheben, auch in Euroland, sogar für Deutsche. Kostet etwa ein Jahr Recherche, aber sonst keinen Cent. Da wird Leistung noch belohnt!

Beim Bezahlen hat sich auch einiges getan: Durch die Allgegenwärtigkeit von PIN-Code-Terminals sind die Möglichkeiten für Kriminelle an Karte (oder eingeschränkt funktionierende Kopie) und Code zu kommen explodiert, die (halbwegs beweiskräftige) Unterschrift wird kaum noch benötigt. Und die Gebühren für den Auslands- und/oder Fremdwährungseinsatz konvergieren gegen 2%: 1.00%, 1.50%, 1.75%, 1.85%, ... (Dafür konvergieren die Grundgebühren gegen 0.)

Und wer weiß heute noch, wo das Ausland anfängt? Euro-Umsätze in EU-Ländern sollen mit Einkäufen an der Heimatfront gleichgestellt sein. Aber nicht jedes Unternehmen, dass in Euro mit EU-Kunden Geschäfte macht, hinterzieht seine Steuern auch in der Union; ergo jeder Umsatz im Internet oder “in Namen und Rechnung unserer Partner” ist potentiell ein teurer Auslandsumsatz.