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Fake eeePC vom Discounter: Erstes Atom-Netbook kommt ohne Linux
Medion Akoya Mini bei Aldi

Seit der ersten Erwähnung des OLPC-Projektes, geistert ein Phänomen durch die Computerwelt, welches, je nachdem, wen man fragt, durch zwei der folgenden Stichworte beschrieben wird:

  1. ultra portable kleines, leichtes Notebook-ähnliches Gerät
  2. angepasstes Linux-Betriebssystem
  3. billig, große Stückzahlen
  4. für Schüler, Bildung, einen guten Zweck
    für Kunden, die einen "richtigen" Computer weder bezahlen noch bedienen können

Asus hat mit dem eeePC 701, der sicher die ersten drei Punkte erfüllt, viel Aufmerksamkeit erreicht, dann aber wahrscheinlich wegen Lieferschwierigkeiten den Hype nicht richtig nutzen können. Trotzdem, der Hype war da und das mit der einfach zu bedienende Linux-Oberfläche, hat einigen nicht in den Kram gepasst. (Merke auf jeden Linuxer kommen bis zu vier Mac-Fanboys und auf jeden Apple-Fan kommen 25 Typen, die sich überhaupt nicht vorstellen können, dass Computer auch ohne Windows-Startmenü leben können.) Letztendlich war nicht nur der Hype geplatzt, die Aufmerksamkeit vorschob sich nach und nach zu den Windows-Varianten des eeePC, obwohl selbst der Spiegel merkt, dass der "EeePC im Windows-Betrieb viel von seinem speziellen Charme [verliert]".

Der dritte Punkt musste früher oder später auch Aldi und Medion auf den Plan rufen. Noch bevor einer der eeeClones auf dem deutschen Markt eingeführt wurde, kommt heute der Akoya Mini E1210, eine Variante des MSI Winds – mit Windows XP. Schon das zweite "netbook", wie Intel die Produktkategorie nennt – eine Kategorie, die es ohne Linux nicht gebe (für Vista sind die Sparrechner sicher nicht entworfen worden) –, erreicht also deutschen Massenmarkt exklusiv mit einem Betriebssystem, das es ohne Linux gar nicht mehr gebe.

Das Aldi-Netbook wird seine Käufer und Fans finden, bei dem Medien-Echo ist das eigentliche Produkt nebensächlich. Die Hardware sieht sogar ganz ordentlich aus (bis auf den lächerlichen Akku und all die Schwächen, von denen wir erst erfahren werden, wenn das Gerät ausverkauft ist). Aber Windows ruiniert alles. Es gibt Phantastillionen Computer mit Windows XP; der Akoya Mini ist nicht nur einer unter vielen, nein er ist (nach allen technischen Daten, die für Windows eine Rolle spielen) der allerschlechteste (mit der Ausnahme von anderen Netbooks vielleicht). Die meisten Nutzer brauchen keinen 22-Zoll-Schirm, nicht die schnellste CPU und auch kein Vista, aber was die Nutzer brauchen spielt keine Rolle. Bald werden die Windows-Netbooks sehr alt aussehen.

Wer möchte, kann das Medion-Netbook mit Ubuntu 8.04.1 oder OpenSuse 11 aufrüsten. Nur zwei Wochen später soll man den sehr ähnlichen MSI Wind zum gleichen Preis mit Linux kaufen können.

Klar, niemand erwartet Linux beim Aldi, aber Aldi-Kunden würden Linux kaufen. Die haben ja auch vor dreizehn Jahren den ersten Aldi-PC gekauft. Ich habe damals nicht verstanden, was so besonders am Aldi-PC ist, weil ich zu technisch gedacht haben. Die Hardware hätte man anderswo auch bekommen können. Der Preis war gut (wenn man genau das wollte, was der Hersteller zufällig verbaut hatte), aber nicht sensationell. Der Witz lag ganz woanders: Der Aldi-PC hat Rest-Deutschland (der Teil ohne eigenen Computer) damals gezeigt, dass ein Computer auch nichts anderes ist als ein Toaster: Blechbox, Stromkabel, Karton. Heute könnte man das problemlos mit Linux wiederholen. Nicht ich, aber ich bin überzeugt der Aldi könnte das. (Und wenn ich, der nie beim Discounter kauft, das sagt, will das was heißen.)

Chance verpasst! Zweimal. Die erste Chance war die Einführung von Windows Vista. Vista war am Beginn seiner Ära vollkommen inkompatibel zum Aldi-PC-Prinzip (günstig, aber brauchbar), ein billiger Vista-PC wäre jedoch vollkommen unbrauchbar gewesen. Hier auf Linux zu setzen wäre <denglisch>disruptive</denglisch> gewesen. Nicht ohne Risiko, aber im Erfolgsfall ein Knaller. Aldi und Medion gingen den entgegengesetzten Weg, mit Vista und relativ teurer Hardware. Das kann ich nachvollziehen. Aber jetzt, bei den Netbooks fühle ich mich fast persönlich betrogen. Mir fällt einfach kein vernünftiger Grund ein, nicht auf Linux zu setzen.

Im April hieß es noch "Linux ou Windows XP", erst am 20. Mai gab Medion bekannt auf XP Home zu setzen. Es war übrigens auch im April, als überhaupt erst bekannt wurde, dass es möglich sein wird weiterhin XP zu verkaufen. Wie das hinter den Kulissen gelaufen ist, will ich gar nicht wissen.