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"Qualität spielt bei uns keine Rolle"
ARD and Musikindustrie proudly present nationale Gala

"Qualität spielt keine Rolle", so kündigte ein Moderator vom SWR3 eine Fernsehsendung im Ersten an. (SWR3 ist der Sender, der für musikalischen Einheitsbrei und Blödeleien zuständig ist. Deutlich abgegrenzt von SWR1 mit den Schwerpunkten Oldies und gekünsteltem Lokalpatriotismus). Soviel Ehrlichkeit machte mich neugierig auf den "Echo 2009", dem Preis der deutschen Musikindustrie, bei dem nicht Qualität, sondern Verkaufszahlen zählen.

Durch die Sendung führen Harald Schmidts Pausenclown und ein blasses Fernseh-Sternchen, die sprechen wie beim Boxen und tanzen wie in der Mini Playback Show. Die immer gleiche Lückenfüller-Moderation nervt schon nach fünf Minuten. Spätestens nach einer Stunde sehne ich mich nach Marcel Reich-Ranicki, es kommt aber nur Michel Mittermeier.

Die Mehrzahl der Preise kommen in der Geschmacksrichtung "national", nur "HipHop" trägt den Zusatz "Urban", was auch immer die Veranstalter uns damit sagen wollen. Gefühlte 90% der "Künstler" wurden in irgendwelchen Casting-Shows geschaffen bzw. "ausgevoted", wie das auf ARD-Denglisch heißt. So ist dann auch der Casting-Übervater, ohne dass sein Name fällt oder sein Gesicht zu sehen ist, stets irgendwie präsent.

Da der Echo nach Charterfolg im vergangenen Jahr vergeben wird, ist jedem klar, wer gewinnen wird, z.B. dem Kamerateam. Kein Grund nicht das Oscar-Ritual mit Nominierungen, gespielten Überraschungsmomenten ("oh my god") und auswendig gelernten "spontanen" Dankesreden abzuspulen.

Die Laudationes und Video-Einspielungen (VIVAPlus style) sind von betriebswirtschaftlicher Erbsenzählerei geprägt, Musik kommt nur als Hintergrundgeplänkel vor. Bei den "Live-Auftritten" spielen alle Bands in der Einheitsbesetzung mit einem Frontmann und vielen Background-Hüpfern, die je nach Choreografie mit oder ohne Instrument auftreten.

Im Publikum sitzen haargenau die Gestalten, an die man spontan denkt, wenn man sich einer Vertreter der Musikverwertungsindustrie vorstellt. Auch nach längerer Suche findet Pocher niemanden, der für die Eintrittskarte bezahlt hat. Wie irrelevant dieses Medien-Ereignis im Youtube-Zeitalter ist, erkennt man spätestens an der Medien-Resonanz außerhalb der ARD: Bei Rivva Musik nichts, ein Verriss in der Süddeutschen und die Welt weiß nicht so recht, ob sie sich mehr über die schlechten Quoten oder den Hitlerwitz freuen soll.

Alles in allem, unterschreitet die Echo-Show 2009, die von Vorurteilen über die ARD auf der einen und die Musikindustrie auf der anderen Seite schon reichlich tief gehängten Erwartung, deutlich. Fazit: Fürchterlich. Die beiden Highlights, Stefanie Heinzmann und Peter Fox, hmm, mal sehen, was aus denen wird.

Narri Narro. Helau. Alaaf. Und Gute Nacht.