Schaut euch die ZDF-Sendung "Der gläserne Deutsche" (Mediathek) nicht an. Die haben das absichtlich am Dienstag abend um 23.30 Uhr versteckt damit das keiner sieht. Die positven Kommentare bei netzpolitik.org kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Der Film besteht aus wild zusammen geschnittenen O-Tönen (aus dem Zusammenhang gerissen) und nachgestellten Alltagsszenen. Dem Kameramann haben sie das Stativ weggenommen und ihm dafür zwei Flaschen Schnapps gegeben (Blair-Witch-Handkamera-Style), damit dass wie mit verstecker Investigativjournalisten-Kamera gedreht aussieht. Wer einen Zusammenhang sucht wird durch Rauschen bei den hektischen Schnitten subtil darauf hingewiesen, dass da nichts zusammen hängt.
Klar in Szene gesetzt sind lediglich die Apfel-Logos auf sämtlichen Schlepptops. (Ein Computer trägt einen Schriftzug der It's-not-a-trick-Marke.) Also, wenn ich unbedingt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskreditieren wollte, würde ich's mit einer Schleichwerbeserie machen. (BooCompany über Bankhofer, Lobbycontrol über INSM, DWDL über Weight Watchers)
Bevor wir zum Inhalt kommen, halten wir fest, was in der ZDF-Doku nicht dargestellt wird:
Die Sendung beschäftigt sich mit Arbeitnehmerdatenschutz an Hand von zwei Fällen, Viedoüberwachung in einem Metzgereibetrieb und Peilsender am Kfz eines Außendienstmitarbeiters der Pharmabranche. In beiden Fällen werden Filmaufnahmen gezeigt und Zeugen interviewt. Konkrete Vorwürfe, Anklagen, Anzeigen, unabhängie Berichte oder Gerichtsurteile bleibt das ZDF jedoch schuldig (oder sie sind mangels rotem Faden untergegangen).
Großen Raum nimmt der Fall Andrej Holm ein. Dieser Teil wäre sehenswert, würde er nicht mit einem dämlich inszenierten konspirativen Treffen von Datenschützern in einem Internetcafé enden, wo man gemeinsam "Andrej Holm" googlet und die ZDF-Autoren einen "Experten" sagen lassen, dass die Leute viel zu sorglos "in das Internet" schrieben. Erde an ZDF: Das, was man da in diesem Internet über Andrej Holm findet ("Terrorverdacht"), haben Dritte da hineingeschrieben, sogenannte Journalisten, die die Kulturtechnik Copy/Paste beherrschen. Holms hat sicher schon viel ins Internet geschrieben (Emails, Vorlesungstermine), aber doch keine Verdächtigungen gegen sich selbst! Ähnlich wirr ist die gesamte Doku.
Positiv fällt zunächst auch der Teil auf, der sich mit dem Lobbyismus der Adresshandel-, Marketing- und (ohne dass der Begriff erwähnt wird) Scoring-Branche beschäftigt. Leider fallen die Macher dann am Ende auf ebendieses Lobbying herein und suggerieren, dass es sich beim Datenschutz um ein mit der Markwirtschaft unvereinbares Werbeverbot handele. WTF? Und Schäuble, ja der Schnüffelsschäuble, darf als Vorkämpfer für ein besseres Datenschutzrecht auftreten.
Der Sprengstoff, den die Dokumentation vielleicht hätte enthalten sollen, zum Beispiel, die Kooperation zwischen staatlichen und privaten Datensammlern, geht in den wirren Machwert völlig unter.